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Die Region als Künstlerlandschaft

Die Gegend um den Schwielowsee und Werder wird auch als ‚Havelländische Künstlerkolonie‘ bezeichnet. 

Dabei geht die Besonderheit der Region weit über diesen Begriff hinaus: Nicht nur eine Kolonie, sondern gleich eine ganze Landschaft wurde von vielen Künstlern als Lebens- und Schaffensort gewählt! Verbunden werden die einzelnen Siedlungen durch die Havelgewässer und den Schwielowsee. Die eiszeitlich geprägte, naturnahe Landschaft bildet einen interessanten Gegenpol zur gestalteten ‚Potsdamer Kulturlandschaft‘. Eine Vielfalt von Landschaftsformen findet sich hier auf engstem Raum: Berge, Seen, Schilfzonen, Moore, Wiesen, Bruch- und Kiefernwälder sowie Obstanlagen und Felder. 

Die Havelländische Region zog nicht nur eine Vielzahl von Malern an wie Karl Hagemeister, Carl Schuch, Gerhard Gisevius, Theo von Brockhusen, Siegward Sprotte und Hubert Globisch. Auch andere Künstler, wie der Architekt Henry van der Velde, die Bildhauerin Käthe Kollwitz oder die Fotografin Marie Goslich ließen sich von der Landschaft inspirieren.

Das Phänomen der Künstlerkolonien ist seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in ganz Europa anzutreffen: Abseits der akademischen Kunsttradition und der großen Städte studierte man die Natur an ländlichen Orten wie Worpswede, Ahrenshoop, Skagen oder Murnau. Durch den Austausch zwischen den Künstlern bildeten sich hier geistige Kristallisationspunkte aus. Die Havelländische Region zog besonders stark individualistisch geprägte Künstler an, die oft zurückgezogen in der Natur lebten und dennoch zueinander in Beziehung standen. Auch gegenwärtig ist die wasserreiche Landschaft ein besonderer Anziehungspunkt für Künstler.

Malerdorf Ferch

 

Der kleine Ort Ferch wurde 1317 erstmalig schriftlich erwähnt. Die Fischerei, der Ton- und Holzabbau sowie eine Kalkbrennerei waren wirtschaftlich bedeutend für den Ort. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Ferch als Ziel für Ausflügler und als Kur- und Badeort entdeckt. Die idyllische Lage am Schwielowsee zog viele Menschen an. Neben dem Maler Karl Hagemeister (1848-1933), der in Ferch bereits 1878 mit Carl Schuch (1846-1903) malte, lebten Hans-Otto Gehrcke (1896-1988), die Künstlerfamilie Wacker, Otto von Kameke (1826-1899), Hans von Stegmann und Stein (1858-1925) für längere Zeit an diesem Ort. Andere blieben kurzzeitiger am Schwielowsee - wie Carl Schuch (1846-1903), Eugen Bracht (1842-1921), Max Koch (1859-1935), Alfred Liedtke (1877-1914) und Franz Heckendorf (1888-1965).

(Texte: Antje Hartmann und Anja Möller, 2006)

Literatur:

Wahre Geschichten - Band V - Unser Malerdorf Ferch
Herausgeber: Heimatverein Ferch
Ausgabe: Broschüre - Seitenzahl 61
Erscheinungsdatum: 2006-05