FERCH "Die Arbeiten am Kossätenhaus sind so weit gediehen, dass der Innenausbau stattfinden kann", sagte Helga Martins, Vorsitzende des Fördervereins Havelländische Malerkolonie, in ihrem Rechenschaftsbericht auf der Jahreshauptversammlung des Vereins dieser Tage in Ferch. "Im nächsten Jahr wollen wir unbedingt zu Ehren des 160. Geburtstages des Begründers der Havelländischen Malerkolonie, Karl Hagemeister, eröffnen."
Im Haus an der Beelitzer/Ecke Dorfstraße wird es auf zwei Ebenen vier Ausstellungen auf insgesamt 101 Quadratmetern Fläche geben. In der unteren Etage soll ein Rundgang rings um die schwarze Küche, die natürlich aus denkmalschützerischen Erwägungen erhalten bleibt, angelegt werden. Im Obergeschoss, zu dem eine Rundtreppe führt, erhält auch das 15 Quadratmeter große Depot seinen Platz. Die Sanitäranlage ist über eine Treppe in den Keller zu erreichen. "Leider lässt die Bauweise mit seiner speziellen Fachung des vermutlich ältesten Fercher Hauses keine barrierefreie Bewegung für Rollstuhlfahrer zu", bedauerte Stefanie Krentz von "art for public" in Potsdam.
Sie hatte maßgeblich das Museumskonzept erstellt, dem die Gemeindevertreter von Schwielowsee bereits am 13. Dezember 2006 zugestimmt hatten. Eine Dauerausstellung über die Künstler der Havelländischen Malerkolonie, die am engsten mit Ferch verbunden waren, wird das Haus vorrangig prägen.
"Mit einem Riesenschritt ist die erste Stufe genommen", stellte Bürgermeisterin Kerstin Hoppe fest. "Aber wir haben noch viele bis zum kompletten Museum zu überwinden. Seit langem sind die Anträge für den Innenausbau und auf Fördermittel unterwegs. Jede Woche appelliere ich immer wieder bei den entsprechenden Stellen, damit das Fercher Kossätenhaus dort nicht in Vergessenheit gerät."
Noch zu wenig wissenschaftlich belegt
Mit der Eröffnung des Museums soll eine Buchpräsentation verbunden sein. Dafür betreiben zwei Landschaftsarchitektinnen sowie eine Kunsthistorikerin eine wissenschaftliche Studie "Havelländische Malerkolonie – eine Spurensuche". Das kulturelle Erbe, der Begriff "Havelländische Malerkolonie", ist noch zu wenig wissenschaftlich belegt. Der etwa 80-seitige Druck wird über die Werke und den Aufenthalt der Künstler, über den Ort Ferch an sich – eben über das Phänomen "Havelländische Malerkolonie" – informieren und den Tourismus wesentlich fördern. Helga Martins hofft auf die beantragten Fördermittel dafür, denn die Kosten von etwa 14 000 Euro kann der Verein aus eigener Kasse nicht aufbringen.
Der bekannte Potsdamer Maler Olaf Thiede fand es merkwürdig, dass die Autoren nicht persönlich über den Fortgang und dem zu erwartenden Inhalt sprachen. "Denn einiges muss noch geklärt werden, um das Werk zu einem wirklichen Museumsbegleiter werden zu lassen."
Verein bewirbt sich für Kulturpreis
Mehr als 500 Interessenten ließen sich im Vorjahr zum "Tag der offenen Baustelle" unter der fachmännischen Leitung von Ingo Dräger durch das Kossätenhaus führen. Aufgrund dieses Erfolgs soll dieser Tag in diesem Jahr wiederholt werden, verbunden mit einem Vortrag über die "Havelländischen Malerkolonie".
Der Fercher Förderverein bewarb sich außerdem um den Kulturpreis der Sozialdemokratischen Gesellschaft für Kommunalpolitik. Der Preis wird für hervorragende kulturelle Initiativen, Projekte oder Aktivitäten mit öffentlicher Wirksamkeit vergeben.
WOLFGANG POST
aus: Märkische Allgemeine Zeitung, 07.04.2007