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Museumskonzeption - Kurzfassung

Im Jahr 2008 ist die Eröffnung des Museums der Havelländischen Malerkolonie in der Ortschaft Ferch im Land Brandenburg geplant. In einem denkmalgeschützten Kossätenhaus soll das kulturelle Erbe der Region als Künstlerkolonie gesammelt, erforscht, bewahrt und ausgestellt werden. Träger des Museums ist der gleichnamige Förderverein Havelländische Malerkolonie e.V. Im August 2006 beauftragte der Verein Stefanie Krentz, art for public, mit der Erstellung einer Museumskonzeption.
 
Die Havelländische Malerkolonie
 
Die Havelländische Malerkolonie knüpft an eine Gesamteuropa umfassende Bewegung an. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bildeten sich auf dem europäischen Kontinent mehr als einhundert Künstlerkolonien. Sie entstanden in einer Zeit, die durch gesellschaftliche, kulturelle und technische Veränderungen gekennzeichnet war. Die Künstlerdörfer, wie Worpswede, Ascona, Ahrenshoop, Dachau, Murnau, Skagen, Schwaan und die Havelländische Malerkolonie etc. entstanden oftmals an der Peripherie großer Zentren.
 
Die Havelländische Malerkolonie entwickelte sich im Einzugsgebiet des Berliner Umlandes. Die Verbindung zum städtischen Raum ermöglichte den Malern weiterhin Kontakt zu Galeristen, potentiellen Käufern und die Gelegenheit zwischen ihren Wohn- und Arbeitsorten zu pendeln. Die durch Seen, den Flusslauf der Havel sowie Wälder und Wiesen geprägte Märkische Landschaft bot bildenden Künstlern ein reiches Sujet für ihre Arbeiten. In der Malerei suchten sie eine künstlerische Freiheit fern der Akademiekunst. Die meist noch sehr jungen Künstler strebten nach einer neuen, naturnahen und ausdrucksstarken Kunst unabhängig von den starren Kompositionsregeln. Die unberührte Landschaft wurde als ein kunstwürdiger Gegenstand entdeckt und zu einem bevorzugten Thema in der Malerei. Viele Havelländische Maler, wie Karl Hagemeister, Carl Schuch, Hans von Stegmann-Stein, Theo von Brockhusen, Gerhard Gisevius, Hans-Otto Gehrcke und weitere ließen sich in Ferch und seinem Umland nieder und wurden sesshaft. Andere, wie Theodor Schinkel, Hermann Dittrichs, Carl Kayser-Eichberg etc. kamen in den Sommermonaten oder zu Tagesausflügen ins Märkische. Die Mehrzahl studierte an der Berliner Akademie in der so genannten Landschafterklasse unter dem Lehrer Eugen Bracht. Insgesamt konnten über 30 vorrangig bildende Künstler am Schwielowsee nachgewiesen werden. Es kann jedoch von einer noch höheren Anzahl ausgegangen werden.
 
Das kulturelle Erbe der Havelländischen Malerkolonie und die Vielfalt der künstlerischen Positionen ist mit den Künstlern Karl Hagemeister, Carl Schuch und weiteren als kunsthistorisch sehr bedeutend für die Region und über die Landesgrenzen hinaus einzustufen. Die Werke der Künstler des Havellandes, die nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten sind, wurden zum Teil von anderen öffentlichen Institutionen und Museen »übersehen«. Es existiert ein erhebliches Potential für Neu- und Wiederentdeckungen regionaler Landschaftsmaler und ein Bedeutungswandel ihres Stellenwertes. Die Region am Schwielowsee kann somit einen festen Stellenwert in der Kunst- und Kulturgeschichte Brandenburgs erhalten. Die Werke der bereits bekannten Künstler Hagemeister und Schuch befinden sich in großen Sammlungen überregionaler Museen. Die Ausstellung »Cézanne Manet Schuch. Drei Wege zur autonomen Kunst« im Jahr 2000 des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund weist auf die Bedeutung des Malers hin.

Auf europäischer Ebene haben sich die Künstlerkolonien zu dem Verband »EuroArt« zusammengeschlossen und organisiert. Ziel dieser Organisation mit Sitz in Brüssel ist es, die Künstlerorte zu vernetzen und das kulturelle Erbe als eine gemeinsame europäische Entwicklung zu bewahren und darzustellen. Im Jahr 2003 nahmen Vertreter der Havelländischen Malerkolonie an dem jährlichen Treffen teil und stellten die Kolonie und die weiteren Planungen vor. Seit dem existiert ein Austausch zwischen der Havelländischen Malerkolonie und der Organisation EuroArt, welche das Engagement der Region Schwielowsee und des Vereins Havelländische Malerkolonie zur Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes befürwortet und unterstützt.
Das Museum der Havelländischen Malerkolonie
 
Das Museum der Havelländischen Malerkolonie möchte eine Dauerausstellung präsentieren und inhaltlich an das geplante Jahresthema 2008 von Kulturland Brandenburg »Metropole und Peripherie« anknüpfen. Das Museum der Havelländischen Malerkolonie versteht sich als Vermittler kunst- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Havelländischen Malerkolonie. Ziel des Hauses ist es, die Bedeutung der in Vergessenheit geratenden Havelländischen Maler herauszustellen, ihre Nachlässe zu erfassen, zu sammeln und zu präsentieren. Es möchte dabei einen aktiven Dialog mit anderen Museen, Partnern und Künstlerkolonien führen und den gegenwärtigen Forschungsstand zu den frühen Landschaftsmalern erhöhen und kontinuierlich aufarbeiten. Die Auswirkungen und Gründe der Havelländischen Malerkolonie sind überregional und regional unter kunst-, kulturhistorischen und gesellschaftlichen Gesichtpunkten weiter zu erforschen. Mit der Konzentration allein auf das Kulturerbe soll es gelingen, ein klares Profil in Abgrenzung zu anderen Kultureinrichtungen und Angeboten in der Region aufzubauen. Daraus folgt eine konsequente Spezialisierung der Museumsangebote auf einen thematischen Schwerpunkt sowie ihm nach geordneten Inhalten.
 
Den Schwerpunkt der Ausstellung und des aufzubauenden Sammlungsfundus bilden originale Kunstwerke, Grafiken, Zeichnungen, Skizzenblätter etc. der nachweislichen Havelländischen Künstler und ihrer Lehrer. Diese Objekte repräsentieren die künstlerischen Stilrichtungen, Techniken und Ausdrucksweisen der Maler. Das Kerninteresse liegt dabei auf Arbeiten, die im Havelland entstanden sind bzw. Havelländische Motive darstellen. Ergänzt wird die Schausammlung idealer weise durch Materialien, die die künstlerische Auseinandersetzung, den Arbeitsprozess, das Gedankengut und die Lebensauffassung der Künstler darstellen. Die Ausstellung verschränkt somit Kunst- und Kulturgut zur Havelländischen Malerkolonie. Erste Gespräche mit Museen und Privatleihgebern ergaben eine hohe Bereitschaft, Objekte an das Haus temporär oder dauerhaft zu leihen.
 
Das reetgedeckte Kossätenhaus ist das letzte erhaltene Kossätenhaus in der Ortschaft Ferch und wurde wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Es zählte zu den typischen Motiven der havelländischen Landschaft und war ebenfalls beliebtes Motiv der Landschaftsmaler. Das Gebäude vereint die Bereiche Denkmal und Museum an einem Ort und wirkt auf kultur-, orts- und geschichtlich interessierte Besucher wie auf Kunstinteressierte gleichermaßen anziehend. Das Gebäude verfügt über eine Nutzfläche von insgesamt 140 qm auf drei Ebenen. Ca. 101 qm stehen als Ausstellungsfläche im Erdgeschoss und Obergeschoss zur Verfügung. Im Museums werden neben den Ausstellungsräumen ein Informationsbereich / Museumsladen, ein Depot und Toiletten eingerichtet. Im Garten- und Hofbereich plant der Verein einen Skulpturengarten, um die Besucher zum Verweilen einzuladen.
 
Mit dem Museum der Havelländischen Malerkolonie möchte der Verein einen attraktiven kulturellen Anziehungspunkt für die Gesamtregion Schwielowsee mit überregionaler Zugkraft schaffen. Das Haus schließt die BürgerInnen der Region, des Umlandes und der Quellgebiete Potsdam / Berlin sowie Tages- und Kulturtouristen gleichermaßen ein. Das Museum profitiert von der bestehenden touristischen Infrastruktur am Schwielowsee, welche dem Haus eine stetige Besucherzahl verschafft. Im Gegenzug wird den Gästen und Touristen ein weiterer attraktiver Anziehungspunkt geschaffen und ihre Verweildauer in der Region erhöht. Das Museum trägt damit zur Steigerung der Wertschöpfung bei.