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Carl Schuch

1846 Wien - 1903 Wien

In die Kunstgeschichte ist er vor allem als Stillleben-Spezialist eingegangen, doch sein höchstes Ziel war das Landschaftsbild: Ausgehend von Figuren wollte Carl Schuch über Stillleben und das Architekturstück dorthin gelangen. Seine ruhelose Suche nach einer ‚idealen Landschaft‘ führte ihn für zwei Sommer nach Ferch.
 
Schuch, der nach dem frühen Tod der Eltern bei seiner Tante aufwuchs, beschloss schon als 13-Jähriger, Maler zu werden. 1865 bis 1867 studierte er an der Wiener Akademie, anschließend beim Landschaftsmaler Ludwig Halauska. 1869 begab er sich nach dem Tod seiner Schwester auf eine 25-jährige Wanderschaft durch Europa. Sein Vermögen sicherte ihm zeitlebens materielle Unabhängigkeit. 1871 lernte er die Maler Wilhelm Trübner und Wilhelm Leibl kennen: Als ‚Leibl-Kreis‘ ging die lockere Gruppierung in die Kunstgeschichte ein. Ihr ‚Malerischer Realismus‘ gründete sich auf Empfindsamkeit und Wahrheit. Alltägliche Szenen wurden zum Gegenstand des Bildes erhoben.
 
1873 lernte Schuch den Maler Karl Hagemeister am bayerischen Hintersee im Regen kennen: Hagemeister zeichnete unter einem Schirm, da er seinen Studienaufenthalt wegen beschränkter Mittel optimal nutzen wollte. Eine fast zehnjährige Freundschaft verband die jungen Künstler. Man studierte die alten Meister und arbeitete gemeinsam im Brüsseler Atelier und in Venedig. Während des Venedig-Aufenthaltes (1876-1882) widmete sich Carl Schuch dem Stillleben. 1878 kam er für einen Sommer zu Hagemeister ins Havelland und wählte Ferch als Studienort. Beide lebten in enger Beziehung zur Natur. Hier fand Schuch eine ‚Landschaft ohne Nebensächlichkeiten‘, malte den Wiesensteg, Bauernhäuser und Birkenwald. 1880 studierten beide im nahen Kähnsdorf am Seddiner See, 1881 wieder in Ferch. Bei diesem Aufenthalt wird Schuchs Malerei lichter und gelangt ‚vom Landschaftsstilleben zur bewegten Landschaft‘.
 
1882 zog Carl Schuch nach Paris. Die berühmten Stillleben entstanden hier. In den Sommermonaten malte er Landschaften in Frankreich und der Schweiz. Dem Licht kommt eine besondere Rolle in seiner Malerei zu. Schuch malt in vielen Farbnuancen in einem ‚Hell-Dunkel‘ und setzt die Farbe in einer neuen Weise ein. „Schuch hat sich auf eine durchaus eigene Weise mit den ‚Avantgarden‘ des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt, den Realisten (Courbet u. a.), dem Impressionismus“, schreibt Gottfried Boehm. Dennoch ist er keiner dieser Bewegungen zuzuordnen. Carl Schuch war weltgewandt und lebenslustig, zweifelte aber zeitweise an seiner Arbeit. Zu Lebzeiten verkaufte er nur ein Bild. Wegen fortgeschrittener Krankheit ging er 1894 zurück nach Wien und heiratete dort im selben Jahr. 1897 wurde er in eine ‘Privatheilanstalt für Gemüthskranke’ eingeliefert. Nach seinem Tod 1903 wurde das Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und viele Museen, darunter die Berliner Nationalgalerie, kauften seine Bilder an. Er geriet in Vergessenheit und wurde erst wieder auf Ausstellungen in Mannheim (1986) und Dortmund (2000) gewürdigt. 

(Text: Antje Hartmann und Anja Möller)


Bauernhaus bei Ferch



Stilleben mit Äpfeln, Weinglas und  Zinnkrug