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Hans-Otto Gehrcke

1896 Langelsheim - 1988 Ferch

Eigentlich wollte der junge Hans-Otto Gehrcke 1911 mit dem Vater von Berlin aus einen Dampferausflug nach Werder unternehmen. Doch es verkehrten nur Schiffe nach Ferch und so wurde eben dieser Ort erkundet. Beide kamen zunächst als regelmäßige Wochenendgäste wieder. Nachdem der Vater ein Grundstück in Ferch-Neue Scheune erworben hatte, zog Hans-Otto 1927 in das alte strohgedeckte Fachwerkhaus.
 
Nach dem frühen Tod der Mutter 1900 kümmerte sich der Arzt Dr. Martin Gehrcke allein um den begabten Sohn und ließ ihn im Alter von 10 Jahren durch Privatunterricht im Zeichnen fördern.1914 begann Hans-Otto Gehrcke das Studium der Malerei an der ‚Berliner Hochschule für die bildenden Künste‘, da ihm eine gute handwerkliche Grundlage wichtig war. Nach dem 1. Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft nahm er das Studium 1919 wieder auf - diesmal in der Landschaftsklasse von Olof Jernberg, der seine Studenten mit der französischen Malerei (Schule von Barbizon und Impressionismus) bekannt machte. Studienreisen führten Gehrcke nach Süddeutschland, an die Ostsee und in die Schweiz. Neben der Landschaftsmalerei arbeitete er auch an Porträts.
 
Als er 1927 nach Ferch zog, machte er sich gleich an die Arbeit: An das alte Fachwerkhaus wurden Atelier und Veranda sensibel angefügt und ein ‚Wildnisgarten‘ entstand, in dem sich Natur und Gestaltung ergänzen. Eine hölzerne Brücke verbindet den auf einer Anhöhe gelegenen Garten über einen Uferweg mit dem unteren Bereich am See. Hier liegen unter alten Bäumen zwei Teiche, die - wie der gesamte Garten - zu Gehrckes häufigsten Bildmotiven zählen. Die Landschaft des Schwielowsees und der Ort Ferch werden künstlerisch zu allen Jahreszeiten in Öl, Pastell und Aquarell umgesetzt. Hans-Otto Gehrcke war ein bescheidender, ernster, Ideologien abgeneigter Mensch, der zurückgezogen lebte und einige tiefe Freundschaften pflegte. Zu den gern gesehenen Gästen in seinem Refugium zählte der berühmte Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster. Auf seinem Grundstück lebten viele Katzen, Hühner, Pferde und sogar Waschbären.
 
Gehrckes Malerei wurde zunächst durch die akademische Ausbildung geprägt. In den späten zwanziger Jahren geriet der naturverbundene Maler unter den Einfluss des Expressionismus: Expressive Linearität mit breiten Pinselstrichen und ein sehr pastoser Farbauftrag waren kennzeichnend. „Wenn auf Gehrcke die Bezeichnung „Impressionist“ zutrifft, dann vor allem durch sein Spätwerk der sechziger und siebziger Jahre, das sich in der Tat ausschließlich mit der farblichen Erscheinung der Natur unter wechselnden Lichtverhältnissen beschäftigt“, schreibt der Kunsthistoriker Peter Betthausen.

Im Alter erhielt er viele Ehrungen: In Potsdam und Berlin zeigten Ausstellungen seine Werke. Das Potsdam-Museum und das Museum der Domäne Dahlem in Berlin erwarben einige seiner Bilder. Hans-Otto Gehrcke starb 1988 in Ferch. 2003 fand eine Ausstellung mit seinen Bergmotiven in der Schweiz statt.

(Text: Antje Hartmann und Anja Möller)

 


Das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers wurde einfühlsam restauriert, Stand 2006
(Foto: Antje Hartmann und Anja Möller)


Ferch mit Blick über den Schwielowsee
Mischtechnik, 31,5 x43 cm, Nachlaß Gehrcke


Die hölzerne Brücke über den Uferweg


Einer der Teiche