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Julie Wolfthorn: Der Mythos von Ferch - das Paradies auf Erden

Julie Wolfthorn, geboren 1864 in der westpreußischen Stadt Thorn, lebt ab 1883 bis zu ihrer Deportation 1942 in Berlin-Tiergarten. Sie wird in der Kunst- und Kulturszene aktiv, ab Mitte der 1890er-Jahre präsentiert sie ihre Arbeiten auf Ausstellungen und beginnt, das kulturelle Leben der Reichshauptstadt mitzuprägen.

Ihre Modelle findet sie am Beginn ihrer Karriere in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis. Im Sommer 1897 hat sie ihren künstlerischen Durchbruch mit einem lebensgroßen Pastell ihrer Freundin Ida Dehmel.

Nachdem ihre ersten Arbeiten eine gewisse Zaghaftigkeit in Komposition, Form- und Farbgestaltung erkennen lassen, überzeugt sie schon bald mit Talent und Sicherheit im Umgang mit Farben, Formen und Linien. Neben Ölbildern, Pastellen und Aquarellen wendet sie sich der Gebrauchsgraphik zu und produziert Plakate, Titelblätter, Illustrationen und freie graphische Blätter.

Arbeitet sie zunächst vom Impressionismus beeinflusst, zeigt sie sich bald dem Jugendstil verpflichtet. Ihre Kunst wird aber auch immer eine realistische Ausrichtung behalten. Und obwohl sie die Ausprägung der vielen Stilrichtungen, die vielen Ismen besonders in den 1920er-Jahren beklagt und davon nahezu unberührt ihr Werk entwickelt, nähert sie sich Ende dieses Jahrzehnts der Neuen Sachlichkeit an.

Nach einer künstlerischen Etablierungsphase setzt sich Julie Wolfthorn für kunst- und frauenpolitische Belange ein. Im Mai 1898 ist sie Mitbegründerin der Berliner Secession, die führend in der Durchsetzung der Moderne in der Hauptstadt des wilhelminischen Kaiserreichs sein wird. Sie beteiligt sich jahrelang am Kampf um den Zugang von Frauen zum Kunststudium und tritt in verschiedenen Gruppierungen für eine Verbesserung der Situation von Künstlerinnen ein. Eine durchgängige Rezeption ihrer Kunst wird durch die nationalsozialistische Verfolgung der Künstlerin und ihres Umkreises, insbesondere durch die Zerstörung ihres Nachlasses und vieler ihrer Arbeiten, verhindert.

Ein erheblicher Teil ihres Gesamtwerks gilt als verschollen. Die Ausstellung wird von der Kunsthistorikerin Dr. Heike Carstensen kuratiert, die in ihrem Buch „Leben und Werk der Malerin und Graphikerin Julie Wolfthorn“ erstmals vorhandene Quellen zusammenfasst, die künstlerische Entwicklung Wolfthorns nachzeichnet und einen kommentierten Katalog von nahezu 500 Werken vorstellt.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, den Sie in unserem ►Online-Shop bestellen können.

Julie Wolfthorn »Mädchen mit blaugrünen Augen«, Öl auf Leinwand, 42 × 33,5 cm, um 1899, WVZ 39, The Jack Daulton Collection, Los Altos Hill, California/USA Julie Wolfthorn »Pavillon im Park«, Öl auf Leinwand, 39 × 49 cm, undatiert, WVZ 278, © Edition Memoria Thomas B. Schumann, Kiefernweg 11, 50354 Hürth, www.edition-memoria.de  Julie Wolfthorn »Mädchen mit Hut vor offenem Fenster«, Öl auf Hartfaser, 42,5 × 32 cm, um 1910, WVZ 39, WVZ 139, © Edition Memoria Thomas B. Schumann, Kiefernweg 11, 50354 Hürth, www.edition-memoria.de 
 
Julie Wolfthorn »Vier Mädchen auf Waldboden«, Öl auf Pappe, 32,5 x 42,5 cm, um 1907, WVZ 109, Privatbesitz  Julie Wolfthorn »Gewitterstimmung in einem sommerlichen Park«, Öl auf Hartfaser, 31,5 × 42,7 cm, undatiert, WVZ 524, Privatbesitz